Sie riefen ihn alle „Pülleken“, nur wenige kannten seinen richtigen Namen. Klaus-Dieter Virgils ist am 12. Mai im Alter von 70 Jahren überraschend in Hannover gestorben. Dabei wollte er den letzten Saison-Spieltag in der Fußball-Bundesliga in vollen Zügen genießen. Wenige Stunden vor dem Anpfiff kam für „Pülleken“ aber der Abpfiff. Er hatte noch versucht, den Rettungswagen mit Notarzt in seine Wohnung zu dirigieren, doch die Wohnungstür konnte er schon nicht mehr öffnen, so dass wertvolle Zeit verging bis die Polizei eintraf und die Sanitäten mit der Reanimation beginnen konnten. Zu spät, der Arzt konnte nur noch den Tod nach einem  Herzstillstand feststellen.

„Pülleken“ war erst drei Tage vor seinem Tod aus dem Krankenhaus entlassen worden. Seine Beine und ein schmerzender Zeh hatten ihn zu schaffen gemacht. „Ich bin froh, dass ich das spannende Bundesliga-Finale zu Hause am Fernseher und nicht in der Klinik verfolgen muss“, sagte Klaus-Dieter mir noch einen Tag vor seinem Ablebe Jetzt hat er es nicht mehr erlebt, dass der HSV absteigen musste, an dem er bis zuletzt fest geglaubt hatte.


Klaus-Dieter Virgils war in der hannoverschen Sportszene eine Ikone. Für seinen Verein Hannover 96 ging er durchs Feuer. Viele Jahre lang begleitete er die Mannschaft in allen Heim- und Auswärtsspielen. Er war für die Kollegen ein wandelndes Lexikon. Er kannte alle Ergebnisse der Roten in der Bundesliga mit Spieldatum, wusste wann die Tore gefalle waren, konnte alle Trainer der 96er seit dem Aufstieg 1964 herunterbeten und war stolz, dass er für seine 50jährige Mitgliedschaft in diesem Verein eine Urkunde sowie ein Trikot mit seinem Namenszug erhielt. 

Auch die Galopprennbahn in Hannover war ihm nicht fremd. „Pülleken“ wettete gern und hatte oft den richtigen Tipp am Totalisator abgegeben. Sein größter Coup war der Sieg der in Hannover gezogenen Stute Danedream in einem der wichtigsten Rennen in Paris. „Pülleken“ hatte viel gewagt und einiges auf dieses Pferd gesetzt, das dann auch gewann und einige Euro in seine Tasche zahlte. Vom Gewinn gönnte sich Klaus-Dieter eine Weltreise, von der er lange Zeit sehr schwärmte.

„Pülleken“ kam nach einer Ausbildung zum Verlagskaufmann über die „Neue Presse“ in Hannover ins Landesbüro Niedersachsen/Bremen der Deutschen Presse-Agentur (dpa), wo er als Sekretär in der Sportredaktion arbeitete. Außerdem schrieb er Berichte aus der Regionalliga für das Fußball-Fachblatt „Kicker“ in der Nordredaktion in Peine. Seine große Leidenschaft war das Sammeln von Zeitungen, Magazinen, Programmen und Büchern aus dem Bereich des Sports. Sein Wohnzimmer mit unzähligen Papierbergen glich einem Archiv eines großen Verlages.

Im Verein Niedersächsische Sportpresse (VNS) zeichnete sich Klaus-Dieter Virgils als Protokollchef bei über 40 Skatturnieren aus und war bei fast allen Veranstaltungen stets dabei.  „Wir werden unseren Pülleken sehr vermissen“, sagt VNS-Vorsitzender Hans-Joachim Zwingmann, der hinzufügt: „Er war eine Institution, ein liebenswerter und vertrauensvoller sowie hilfsbereiter Mensch, der niemanden etwas zu leide tun konnte und wollte. Ich persönlich war für ihn so etwas wie ein Ziehvater, den er zu jeder Zeit um Rat fragen konnte. Telefonisch haben wir fast täglich Kontakt gehabt. Ich habe es gern getan, denn Klaus-Dieter stand nach dem Tod seiner Mutter ganz allein im Leben.“ Der  VNS wird Klaus-Dieter Virgils ein ehrendes Andenken bewahren. Dies hat er sich mehr als verdient.